FEMA? An BVDM-Messeständen werden wir von einigen Motorradfahrenden immer noch gefragt, wer denn der BVDM ist. Vielleicht geht es einigen mit FEMA genauso. Schon vor Jahrzehnten haben Motorradfahrende in den europäischen Ländern erkannt, dass Regeln und Gesetze zunehmend in Brüssel gemacht werden. Um darauf Einfluss nehmen zu können und Probleme für Motorradfahrende zu verhindern, musste man in Brüssel präsent sein. Um das zu erreichen, bildeten sich in den 1990ern zunächst zwei unabhängige, teils konkurrierende europäische Verbände, die FEM und die EMA. Trotz teilweise unterschiedlicher Meinungen erkannte man schnell, dass man gemeinsam mehr erreichen konnte. Das führte 1998 zur Gründung der „Federation of European Motorcyclists Association“, kurz FEMA. Aktuell mit 19 Fahrerverbänden, geografisch von Island bis Zypern.

Obligatorisches Gruppenfoto bei der Mitgliederversammlung in Schiphol. Foto: Wim Taal/FEMA

Traditionell gibt es drei physische Treffen der Mitgliedsorganisationen im Jahr. Am ersten oder zweiten Samstag des Jahres die jährliche Mitgliederversammlung, kurz AGM für Annual General Meeting. Im Frühling des Jahres, das „Spring-Meeting“, das von einem der Mitgliedsverbände organisiert wird. 2024 vom BVDM in Bad Homburg. Und am ersten Samstag im Oktober das Herbstmeeting. AGM und Herbst Meeting waren früher immer in Brüssel. Organisatorischer Aufwand sowie Verfügbarkeit und Preise für geeignete Meetingräume und Hotelbetten in Brüssel haben die FEMA aber vor einigen Jahren veranlasst, diese Treffen am Flughafen Schiphol bei Amsterdam durchzuführen.

Was hat die FEMA 2026 beschäftigt und was hat sie gemacht?

Auf der AGM im Februar im Hotel Schiphol wurde der komplette Vorstand wiedergewählt. Erwähnenswert ist dabei, dass die Zusammenarbeit der europäischen Motorradfahrenden auch über die EU-Grenzen hinaus funktioniert. Kommen doch die FEMA-Präsidentin Olea vom NMCU in Norwegen und Vorstandsmitglied Kristrún vom BLS in Island, aus Ländern die „nur“ assoziierte Mitglieder der EU sind.

Diskussion, moderiert von Vorstandsmitglied Kristrún aus Island. Foto: Wim Taal/FEMA

Als mögliche neue Mitglieder für die FEMA stellten sich Moto Touring Croatia und WIMA Norway vor und erhielten für 12 Monate einen „observer status“. Vertreter des niederländischen Automobilverbandes ANWB hielten einen interessanten Vortrag über „Blendende Lichter – Blendung im Straßenverkehr“. Schon länger gibt es eine Zusammenarbeit mit der FIM, bzw. FIM-Europe. Ein überarbeitetes Positionspapier zum Motorradfahren in Europa, das in Zusammenarbeit von FEMA, FIM-Europe und dem britischen National Motorcycle Council NMC, entstanden ist, wurde einstimmig genehmigt. >>Link zum Positionspapier<<

Gruppenfoto in Helsinki mit Motorrädern. Foto: Wim Taal/ FEMA

Zum Spring Meeting 2026 hatte der finnische Verband SMOTO am Samstag des Fronleichnam-Wochenendes nach Helsinki eingeladen. Neben den das ganze Jahr diskutierten EU-Gesetzentwürfen ELV (End-of-Life Vehicle regulation) und PTI (Peridical technic inspection, bzw. regelmäßige Hauptuntersuchung – umgangssprachlich „TÜV“) – dazu später mehr – stand vor allem die Diskussion um persönliche Schutzausrüstung (PPE – personal protection equipment) auf der Tagesordnung. Erste Zwischenergebnisse einer von der FEMA durchgeführten Befragung europäischer Motorradfahrer überraschten. Auch wie man junge Motorradfahrende für Aktivitäten und Engagement motivieren kann, ist ein Dauerthema bei der FEMA 2026. Erste Erfolge von NMCU (Norwegen) und SMC (Schweden) zeigen aber, dass es möglich ist.

HMS Croatia stellt sich vor. Foto: Olaf Biethan/BVDM

 

Neben dem FEMA-Meeting am Samstag, war SMOTO sehr engagiert, ein interessantes Rahmenprogramm im Hohen Norden zu organisieren. Für Touren am Freitag und Sonntag hatte der finnische Honda Importeur Motorräder bereitgestellt. Neben „vielen Bäumen“ auf diesen Touren konnten die Teilnehmer auch Eindrücke von der finnischen Fahrschulausbildung erhalten. Auf einem für die Ausbildung spezialisierten Verkehrsübungsgelände durfte die Teilnehmer auch selbst Prüfungsrelevante Übungen erfahren. Die Reise nach Helsinki brachte aber auch noch eine andere Erkenntnis. Gut wenn man auch noch Karten lesen kann. Östlich von Helsinki ist der GPS-Empfang teilweise so massiv gestört, das Navi´s nutzlos werden. Die finnische Grenze im Osten liegt Luftlinie nur ca. 160 km von St. Petersburg in Russland entfernt. Um Raketen oder Drohnen die Orientierung zu erschweren, wird das GPS-Signal teilweise massiv gestört.

Am 03.10.26, in Deutschland ein Feiertag, trafen sich die FEMA Vertreter dann wieder im Hotel Schiphol, bei Amsterdam. Als Gast stellt sich Enduranch aus Rumänien vor und bewarb sich formell um eine Mitgliedschaft in der FEMA. Wie alle interessierten Verbände erhielt sie für 1 Jahr einen observer status. Weiter Präsentationen kamen von den ehemaligen FEMA Mitgliedsverbänden GAM aus Portugal und MAG Netherlands. Per Video zugeschaltet berichtete Shaun Lennard vom „AMC“ über Sicherheit von Motorradfahrenden in Australien.

Live-Kommunikation nach Australien, Foto: Olaf Biethan/BVDM

Intensiv diskutiert wurden die Ergebnisse der Befragung zum Thema „Tragen von Schutzkleidung“. An der Befragung hatten sich 5.364 Motorradfahrer aus 33 Ländern beteiligt. Die Ergebnisse lassen aber keine klaren Aussagen zu. Zudem war die Beteiligung in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. 45,1 % der Antworten kamen aus den Niederlanden, Spanien und Griechenland. Nur 278 aus Deutschland. Zudem haben sich überwiegend die Nutzer großer motorisierter Zweiräder (über 500 ccm) beteiligt. Grundsätzlich befürworten die Motorradfahrer das Tragen von Schutzkleidung. Haben zum Teil schon positive Erfahrungen, gesammelt. Es gibt aber auch Gründe auf Teile davon zu verzichten. (Praktikabilität, Kosten, Wetter/Klima, etc.). Die FEMA wird die Erkenntnisse aus der Befragung als Arbeitsgrundlage nutzen, die Ergebnisse jedoch nicht veröffentlichen.

Jährliche Überprüfung der Fahrzeuge geplant

Ein weiteres Thema, das insbesondre einige FEMA Mitgliedsverbände bewegt, ist die geplante EU-Regelung zur verbindlichen „Peridical technic inspection“, kurz PTI, in allen europäischen Ländern. Es gibt einige Länder, in denen Fahrzeuge nicht zur regelmäßige Hauptuntersuchung (umgangssprachlich „TÜV“) müssen. In diesen gibt es andere Möglichkeiten und Befugnisse, z.B. durch die Polizei, die technische Sicherheit von Fahrzeugen zu prüfen und zu bemängeln. Interessanterweise gehören einige dieser Länder zu den sichersten für Motorrad fahrende, wenn an das Unfallgeschehen auf den Fahrzeugbestand bezieht. Nicht nur diese Länder wehren sich gegen eine entsprechende verbindliche Regelung. Unkalkulierbare Kosten (fehlende Prüfstellen samt technischer Ausstattung und Prüfer) bei marginalem und nicht klar nachgewiesenem Einfluss auf das Unfallgeschehen, sind Hauptargumente. In Deutschland müssen wir seit über 50 Jahre alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Keiner stellt dies infrage. Aber auch in Deutschland könnten Lobbyinteressen die EU-Verordnung nutzen, um die Prüfvorgaben weiter zu verschärfen. Wobei die Frage bleibt, wie jede einzelne Prüfstelle das umsetzen kann. Und zu welchen Mehrkosten. Beim rein deutschen Thema „Reifenfreigaben für ältere Motorräder“ zeigten sich schon signifikante Unterschiede in der Bewertung der einzelnen Prüforganisationen und Prüfstellen. Es bleibt auch die Frage, warum weiterhin teilautonom fahrende Fahrzeuge zugelassen werden, die, mit Vorfällen belegt, motorisierte Zweiradfahrer nicht sicher erkennen. Andererseits ein Motorrad mit fehlendem rotem Reflektor hinten, einen erheblichen Sicherheitsmangel hat. Der BVDM unterstützt die im März an das EU-Parlament übermittelten Forderungen von >>FEMA, FIM und FIVA<<

Klassische Meeting-Situation. Selfie: Wim Taal/FEMA

Eine weitere kommende EU-Vorgabe, die im Hintergrund viele Aktivitäten erforderte, ist die „End-of-Life Vehicle regulation“, kurz ELV. Die zukünftig auch für Motorräder gelten soll. Wenn diese in der jetzigen Form in Kraft tritt, wäre es auch in Deutschland nicht mehr einfach möglich, sein Motorrad einfach dauerhaft abzumelden. Stilllegen, um gebrauchte Teile zu verkaufen oder es später zu restaurieren, wäre dann nicht mehr möglich. Man müsste nachweisen, wie beim Auto, das es einem zertifizierten Entsorgungsbetrieb übergeben wurde und fachgerecht recycelt wird. Wobei es diese, nach Abfallrecht zertifizierten Entsorgungsbetrieb, für Motorräder in Deutschland noch gar nicht gibt. Ein Thema mit dem man in der Masse von neuen Nachrichten in den sozialen Medien kaum jemand erreicht. Die Betroffenheit wird erst eintreten, wenn man selbst davon betroffen ist, weil man sein Motorrad längerfristig oder dauerhaft abmelden möchte.

Olaf und Uwe im Meeting

Bei allen FEMA-Meetings 2026 wurde der BVDM durch den zweiten Vorsitzenden Olaf Biethan in Präsenz und online durch unseren Referenten „Europa“ Uwe Flammer vertreten.